Wer ich bin?
Für das Ausländeramt bin ich eine Nummer. Wie viele. Von Vielen. Heute bin ich die Ziffer: 3 242 732.
Welche morgen, übermorgen?
Wer ich bin?
Behalt es! Und vergiss es nicht, niemals!
Ein Migrantensohn, der seine Würde, seinen Stolz gegen alle Vorurteile und alles Ablehnende verteidigt und wahrt.
Schaut zur Sonne!
Solange sie ihr Licht über den gleichen Mittag wirft, die Dächer der Anderen auch in ihrem Schatten stehen, poche ich auf mein Recht: auf Gleichbehandlung!
Wer ich bin?
Ich bin der Sohn einer schönen Mutter aus Sivas. Einer Mutter, die sich das Lesen und Schreiben selbst beibrachte. Wie könnte ich nicht stolz darauf sein?
Der Sohn eines arbeitsamen Mannes, der Würde in der schwersten Fabrikarbeit in seinen Schritten behielt, seinen Händen.
Beide opferten sie ihre Heimat. Und hofften, sie würden uns dafür eine bessere Heimat schenken, wollten einen freien Baum des Lebens pflanzen in fremder Erde.
Wie könnte ich darüber schweigen und mich in Stille neigen?
Merke es dir! Behalt es! Ich bin der Sohn viel Gereister und Gewanderter. Wie könnte ich ihren Glauben, ihre Furchtlosigkeit, ihre Sonne nicht weitertragen?
Wer ich bin?
Ich bin der Enkel großer Lyriker, behalte es und vergiss es nie!
Sonst wirst du nie etwas über mich und die Vielen anderen erfahren, über deren Schicksale und Geschichten.
Ich schreite in den Spuren Pir Sultan Abdal´s und Nazim Hikmet´s, den Spuren der Menschlichkeit und Unerschrockenheit.
Auch wenn ihr ungeduldig seit oder unfreundlich und abweisend.
Ich bewahre meinen Weg, poche weiterhin auf Würde und Wahrheit. Es ist unser Recht, gegen alle Ziffern: den Menschen an euch zu tragen, den Menschen!
© Ciwan